Unternehmensberatung und Frauen – passt das zusammen?

Attraktiv ist sie, die Beratungsbranche – ganz besonders für Hochschulabsolventen: Nahezu jeder zweite BWL-Hochschulabsolvent sieht in der Unternehmens­beratung den idealen Karriereeinstieg. Eine Abwechslungsreiche, herausfordernde Tätigkeit, gutes Arbeitsklima, selbstständiges Arbeiten, hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten und gute Bezahlung werden mit dem Berufsbild des Beraters in Verbindung gebracht. Doch gelten diese Vorzüge auch für weibliche Consultants?

Die Antwort: ein ganz klares Jahr! Mehrere Gründe sind es, die den Frauen in der Beratung entgegenkommen:

Zum einen ist es der leergefegte Markt an Beraternachwuchs. Zum anderen ist es die Erkenntnis, dass geschlechtergemischte Teams ein wesentlicher Treiber für Innovation und den Unternehmenserfolg sind. Gemischte Teams wirken sich positiv auf Diskussion, Interaktion und Entscheidungsfindung aus. Überhaupt können durch geschlechtergemischte Fortbildungen die Zusammenarbeit von Frauen und Männern gefördert werden. Weibliche und männliche Teilnehmer können so voneinander lernen.

So ist es kein Wunder, dass gute, leistungsfähige weibliche Hochschulabsolventen und insbesondere die High Potentials unter ihnen heiß begehrt sind und zunehmend im Fokus der Personalrecruiter stehen. Beratungsunternehmen, die hier nicht nur die richtige Ansprache, sondern vor allem auch die richtigen Rahmenbedingungen nachhaltig vorweisen können, werden künftig über einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren im Beratungsgeschäft verfügen.

Ein weiterer wichtiger Grund sind die veränderten Rahmenbedingungen. So haben flexiblere Arbeitsformen – durch die Corona-Pandemie verstärkt – und die Zunahme von Remotearbeit in den meisten Unternehmen zu einem veränderten Arbeitsumfeld für Mitarbeitende in der Consultingbranche geführt. Konkret bedeutet dies, dass die extremen Anforderungen an die Mobilität, die ja charakteristisch für die Beratungsbranche sind, durch die verstärkten Möglichkeiten zum Home Office deutlich zurückgegangen sind.

Im Zuge dieser Veränderungen ist nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) der Anteil weiblicher Mitarbeitender unter den rund 220.000 Beschäftigten im Beratungsbereich im Jahr 2021 um 4 Prozentpunkte auf 39 Prozent angestiegen. Mit einem Frauenanteil von 29 Prozent bei den in Beratungsprojekten tätigen Mitarbeitenden sowie einem Anteil von 15 Prozent auf Leitungsebene hinkt die Beratung im Vergleich zu anderen Branchen aber immer noch zurück. Positiv zu vermerken ist aber, dass inzwischen deutlich mehr als 40 Prozent aller Einstiegspositionen (Junior Consultant) von weiblichen Angestellten besetzt werden.

Sowohl für männliche als auch für weibliche Hochschulabsolventen ist der Berufseinstieg in das Consulting vor allem deshalb ideal, weil sie eine streng praxisorientierte Grundausbildung erhalten und sich prinzipiell nicht gleich zu Beginn des Berufslebens auf eine Branche oder auf einen Funktionsbereich festlegen müssen. Die beraterische Grundausbildung erhält der Berufsanfänger in größeren Beratungsunternehmen schwerpunktmäßig durch Training-off-the-job-Maßnahmen, d. h. durch spezielle, nicht fakturierbare Aus- und Fortbildungsmaßnahmen, die teilweise in eigenen Trainingszentren oder Hochschulen („Corporate Universities“) durchgeführt werden. In kleineren Beratungsunternehmen erfolgt diese Grundausbildung zum Berater regelmäßig im Rahmen von Training-on-the-job-Maßnahmen.

Den offensichtlichen Vorzügen dieser Profession standen bislang als Nachteil außerordentlich hohe Anforderungen an Mobilität und Flexibilität gegenüber. Das hat sich inzwischen aber – wie oben dargestellt – gravierend verändert, so dass sich die Work-Life-Balance auch im Beratungsbereich deutlich verbessert hat.

Anmerkung:  Zur besseren Lesbarkeit – und das gilt für alle meine Blog-Beiträge – wird für alle Personen das generische Maskulinum verwendet.

Weitere Informationen finden Sie in: „Einführung in das Consulting. Strukturen – Trends – Geschäftsmodelle“ und ist hier erhältlich.

 

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